Kann man mit einer Klimaanlage auch heizen?
Ja. Moderne Split-Klimaanlagen können nicht nur kühlen, sondern auch heizen. Technisch sind sie vollwertige Luft/Luft-Wärmepumpen: Sie nutzen die Aussenluft als Energiequelle, entziehen ihr Wärme und geben diese über den Innenwärmetauscher an den Raum ab. Das funktioniert auch dann, wenn es draussen kalt ist, das Kältemittel verdampft bereits bei tiefen Minustemperaturen.
So funktioniert das Heizen mit der Klimaanlage:
Im Heizbetrieb läuft der Kältemittelkreislauf gegenüber dem Kühlbetrieb umgekehrt. Ein Vier-Wege-Ventil sorgt dafür, dass Verdampfer und Verflüssiger ihre Rollen tauschen. Die Anlage arbeitet dadurch wie eine Wärmepumpe, statt den Raum zu kühlen, beheizt sie ihn.
Warum das so effizient ist:
Eine Klimaanlage im Heizbetrieb erzeugt ein Vielfaches der eingesetzten elektrischen Energie als Wärme. Massgebend ist die Leistungszahl (COP): Ein COP von 4 bedeutet, dass aus 1 kWh Strom 4 kWh Heizwärme werden. Gute Geräte erreichen COP-/SCOP-Werte zwischen 3 und 5. Zum Vergleich: eine herkömmliche Elektroheizung erreicht nur den Wert 1, sie macht aus 1 kWh Strom genau 1 kWh Wärme. Eine Klimaanlage als Heizung liefert für dieselbe Strommenge also rund das Drei- bis Vierfache an Wärme.
Dass das auch unter Schweizer Bedingungen aufgeht, zeigen Feldmessungen der Fachhochschule OST: Bei einer Aussentemperatur um –4 °C sank der mittlere Wirkungsgrad nicht unter 3, die Bestwerte lagen nahe bei 5. Das relativ trockene Schweizer Klima begünstigt den sparsamen Betrieb zusätzlich, weil der Wärmetauscher seltener abgetaut werden muss als etwa in Nordeuropa.
Was bei tiefen Temperaturen zu beachten ist:
Mit fallender Aussentemperatur sinkt die Effizienz, weil die Temperaturdifferenz zwischen Aussenluft und Kältemittel steigt und das Gerät zeitweise abtauen muss. Moderne Inverter-Geräte heizen dennoch bis in den deutlichen Minusbereich zuverlässig. In sehr kalten Lagen oder in schlecht gedämmten Gebäuden empfiehlt sich der Betrieb als Ergänzung zu einem bestehenden Heizsystem.
Wann sich das Heizen mit der Klimaanlage lohnt:
- In der Übergangszeit (Frühjahr, Herbst), um die Hauptheizung zu entlasten
- Als Zusatz- oder Notheizung sowie für einzelne Räume und Zonen
- Als kostengünstiger Ersatz für ineffiziente Elektro-Direktheizungen
- In Ferienwohnungen, die sich per Fernsteuerung vor der Anreise vorwärmen lassen
Eine Einschränkung gibt es: Die Warmwasserbereitung lässt sich mit einer Luft/Luft-Wärmepumpe nicht abdecken, dafür braucht es eine separate Lösung. Ob die Klimaanlage als alleinige Heizung genügt oder als Ergänzung sinnvoller ist, hängt von Gebäude, Dämmung und Standort ab.
Sie überlegen, Ihre Klimaanlage auch zum Heizen zu nutzen? Unsere Fachleute für Kälte- und Klimatechnik beurteilen Ihre Situation und empfehlen die passende Lösung.